Erstmals erfasst eine Studie in Österreich die Bauwirtschaft mithilfe der von Eurostat empfohlenen Methode und betrachtet damit alle baurelevanten Sektoren. So viel sei verraten: Jeder 5. Euro in Österreich wird im Zusammenspiel mit der Bau- und Immobilienbranche erwirtschaftet.
Bau- und Immobilienbranche: Der unterschätzte Wirtschaftsmotor Österreichs
Eine neue Studie des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw) im Auftrag der Initiative PRO BAUEN & SANIEREN zeigt erstmals das vollständige Wertschöpfungsnetzwerk der Bau- und Immobilienwirtschaft – mittels der von Eurostat empfohlenen Satellitenkonto-Methode über 30 Wirtschaftssektoren (Datenbasis 2023).
Die wichtigsten Zahlen
- Jeder fünfte Euro Österreichs Wirtschaftsleistung hängt an der Branche: 84,8 Mrd. Euro bzw. rund 20 % der Wirtschaftsleistung (direkt 52,1 Mrd. Euro – doppelt so viel wie bislang amtlich ausgewiesen)
- 154,3 Mrd. Euro Umsatz der Bauwirtschaft – doppelt so hoch wie offiziell erfasst
- Rund 1,1 Mio. Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt am Sektor (davon 624.000 unmittelbar – fast jede:r siebte Erwerbstätige)
- 27 Mrd. Euro Steuern und Abgaben jährlich
Stillstand kostet
Der Bau schrumpfte von 2022 bis 2025 vier Jahre in Folge (2024: −5,9 %). Hätte sich die Branche im Gleichschritt mit der Gesamtwirtschaft entwickelt, wären bis 2027 25,3 Mrd. Euro zusätzliche Wertschöpfung im Bau und 60,3 Mrd. Euro bundesweit entstanden – plus 28,9 Mrd. Euro Einnahmen für Staat und Sozialversicherung sowie rund 130.000 gesicherte Arbeitsplätze.
Drei Hebel mit Potenzial
- Wohnbaulücke schließen: Rückkehr auf das Fertigstellungsniveau 2021/22 brächte 7,8 Mrd. Euro Zusatzinvestitionen jährlich und 4,6 Mrd. Euro zusätzliche Wertschöpfung. In Wien fehlen 2026 mindestens jede vierte geplante Wohnung.
- Sanierungsrate verdoppeln (1,5 → 3 % bis 2040): rund 124 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung und 130.500 Arbeitsplätze.
- Regulatorische Planbarkeit: Branchenvertreter fordern verlässliche Rahmenbedingungen (Mietrecht, Förderungen, Bürokratieabbau), um privates Kapital zu mobilisieren.
In einer Pressekonferenz haben die Studien-Verantwortlichen zusammengefasst:
Kleine und mittlere Betriebe tragen den Sektor, stärken die Regionen und verbinden rund 80 Wirtschaftsbereiche. Die Forderung der Branche an die Politik: Investitionen ermöglichen statt Projekte stoppen – Stillstand kostet Wohlstand.