Goethehof Wien
Dankmalschutz & Sanierung Hand in Hand: Der Goethehof in Wien Donaustadt wurde 2020 mit dem ETHOUSE Award ausgezeichnet – der Preis für energieeffizientes Sanieren in Österreich.
Projektbeschreibung
Die denkmalgeschützte Wohnhausanlage aus der Zwischenkriegszeit in Wien Donaustadt wurde über mehrere Jahre saniert. Die Sanierung zeigt auf, dass Denkmalschutz und umfangreiche Sanierungsmaßnahmen Hand in Hand gehen können. Im Zuge der Sanierung wurden zahlreiche Fassadenkunstwerke restauriert, im Dachgeschoss 128 neue Wohnungen geschaffen und an das Fernwärmenetz angeschlossen.
Der Heizwärmebedarf wurde von 167,77 kWh/m²a auf 44,77 kWh/m²a reduziert, was eine 73,3-prozentige Verbesserung ergibt.
Das ehemalige Tröpferlbad erhielt als Wohngemeinschaft für Betreutes Wohnen eine neue Nutzung. Zur verbesserten Wohnqualität nach der Sanierung tragen gegenüber dem Bestand u. a. bei: Der nachträgliche Tiefgaragenbau, der Grünfläche statt Parkfläche im Mittelhof ermöglicht, Freiflächen in den Wohnungen – vor allem im Dachgeschoss –, Aufzugsanlagen sowie barrierefreie Erschließung des gesamten Areals.
Eckdaten WDVS: EPS-F 3 und 5 cm, Mineralwolle 3, 5 und 8 cm.








„Hier wird klar aufgezeigt, dass Denkmalschutz und umfangreiche
Sanierungsmaßnahmen Hand in Hand gehen können. Der Rückbau von befestigten Flächen, die Nachverdichtung und die Barrierefreiheit machen die Wohnanlage fit für die Zukunft.“
Jury ETHOUSE Award 2020
Beteiligte
Generalplaner:
GSD Gesellschaft für Stadt‐ und Dorferneuerung m.b.H.
Architektur:
Arch. DI Martin Kiener, Arch. DI Werner Rebernig
Projektverantwortlich:
Arch. DI Werner Rebernig
Verarbeitung:
ARGE Leyrer+Graf Baugesellschaft m.b.H., Sareno Objektisolierung GmbH & Co KG

„Viele Menschen waren an diesem Projekt beteiligt. Nun bekommen sie mit dem Preis eine Anerkennung für die Herausforderung, Wärmeschutzziele im Denkmalschutz zu erreichen. Wir haben das mit viel Know-how geschafft und dafür mit guten Firmen zusammengearbeitet.“
Arch. Werner Rebernig,
Geschäftsführer GSD






„Wir haben das Gefühl, dass es ein besseres Wohnklima ist in unserer Wohnung. Und dass wir vor allem im Winter nicht so viel heizen müssen. Der Energieverbrauch hat sich tatsächlich deutlich verringert.“
Bewohnerin Sonja Braunstein erlebte die thermische Sanierung des Goethehofs in 3 Phasen, von 2012 bis 2020.

Geschichte
Kaisermühlen war bis zur Donauregulierung ein Überschwemmungsgebiet. Trotzdem entwickelte sich hier aufgrund der Wassernähe Ende des 19. Jahrhunderts ein großes Siedlungsgebiet. Während des Ersten Weltkriegs und der Zwischenkriegszeit bestand große Wohnungsnot und Nahrungsknappheit. Die Besiedlung nahm rasch und in ungeordneten Ausmaß zu. Im sogenannten „Bretteldorf“, beim heutigen VIC-Gelände, waren die Häuser notdürftig zusammengezimmert. Unweit davon befand sich die Mülldeponie. Mit dem Bau des Goethehofs konnten die Menschen von dort abgesiedelt und ein erhöhter Lebensstandard mit fließendem Wasser, WC und teilweise Balkonen geboten werden.
Die Wohnhausanlage verfügte über Gemeinschaftseinrichtungen wie Tröpferlbad, Bücherei, Ambulatorium, Beratungsstellen, Montessori-Kindergarten, Jugendheim, etc.
Bereits kurz nach der Eröffnung kam es während des Österreichischen Bürgerkriegs 1934 zu heftigen Gefechten. Die Wohnhausanlage erlitt ihre ersten großen Schäden durch die Geschütze und den Brand. Mediale Bekanntheit erreichte der Goethehof in den 90ern durch die beliebte Fernsehserie „Kaisermühlenblues“.
Architektur
Der Goethehof wurde von mehreren Architekten gemeinsam entworfen, wobei die einzelnen Bauteile deren individuelle Architektur widerspiegeln. Der realtiv niedrige und für eine Anlage dieser Größe wenig pompöse Mittelteil ist weit zurückversetzt und bildet eine Art Vorhof.
Über der Einfahrt befi nden sich drei Plastiken, zwei Musiker und eine Tänzerin. Dahinter öffnet sich der sehr große, teils begrünte, teils als Parkplatz dienende Haupthof, der stilitisch eher zurückhaltend und sachlich (mit Loggien und flachen Erkern) konzipiert wurde.
An seinem Nordrand markieren zwei pylonartige Wohntürme mit übereck laufenden Balkonen und zentralen, vertikal verglasten Stiegenhäusern den Ausgang zum „Kaiserwasser“.
Im Westen und Osten schließen sich parkartige Nebenhöfe mit halbrunden Blöcken an. Im westlichen Seitenhof befi ndet sich das große, freistehende Kindergartengebäude, im östlichen Seitenhof liegt ein zusätzlicher langer Wohnblock.
Das Nebeneinander von expressiven und sachlich-kubischen Stilelementen fällt hier besonders stark auf. Außerhalb dieses Seitentraktes liegt die Bibliothek.
Informationen aus:
wohnpartner Bibliothek Band 5 – Goethehof zwischen Dorfidylle und Weltmetropole, 2014